Naturfleisch

Wenn man in einer Branche sein Geld verdienen will (oder muss), die gerade keinen besonders guten Ruf hat, hat man es schwer. Doch zum Glück gibt es ja die Werbeindustrie, die mit gekonnter Wortwahl und den dazugehörigen Bildwelten einiges kompensieren kann.

In diesem Beispiel geht es um eine (größere) Fleischerei, die darunter zu leiden hat, dass der allgemeine Fleischkonsum rückläufig ist und der schlechte Ruf der ganz Großen der Branche auch auf sie zurückfällt. Sie sehen sich selbst als die Guten (und sind wohl auch die Besseren) – aber das muss man eben auch an die potentiellen Kunden heranbringen.

Es beginnt mit einer schlichten, (vermeintlich) sofort verständlichen Wortschöpfung: Naturfleisch.
Allerdings dachte ich, als ich erstmals dieses Wort gelesen hatte: Aha, es gibt Kunstfleisch?! Fleisch ohne Tiere totzumachen? Wo?
Nun gut, die meisten Kunden denken wohl das von den Werbemachern Gewollte. Es geht um viel Stroh und Auslauf, um wenig Antibiotika und Wachstumshormone, um besseres Tierwohl bis zum Schlachthaus. „natürlich. ehrlich. regional.“ Alles OK!

Da kann man ja mal näher hingucken! Und was sehe ich da? Selbstverleugnung bis zum Anschlag: Wo bitteschön ist auf den hineinmontierten Grillteller das gelobte Naturfleisch?

Anscheinend geht doch nichts über richtig klassische Mainstream-Werbung. Wunderbar. Die Schlagwörter müssen stimmen, die Bilder passen. Verkauft wird etwas anderes.

Zur Ehrenrettung: Ich vermeide hier bewusst, den Firmennamen zu zeigen oder zu nennen. Wenn man den Flyer aufschlägt sieht man dann auch die Fleischprodukte.
Ich habe tatsächlich auch ein paar Sachen im Geschäft gekauft. Alles, was ich bisher davon gegessen habe, war von richtig guter Qualität.
Doch diese Titelseite regt mich wegen ihrer feigen wokeness auf.


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